Kalte Zeit.
Zur Ambivalenz der Empathie

Symposium der Stiftung medico international 2026

Abendveranstaltung. Donnerstag, 7. Mai 2026 18 Uhr
Symposium. Freitag, 8. Mai 2026 10-16 Uhr
medico-Haus, Lindleystr. 15, 60314 Frankfurt am Main


Wir leben in Zeiten, in denen der Empathie der Krieg erklärt wird. Weltweit betrachten autoritäre Regierungen und Bewegungen die Fähigkeit, Gefühle und Perspektiven anderer Menschen zu erkennen und nachzuempfinden, nicht bloß als sentimentale Schwäche, sondern als Bedrohung für ihre expansionistischen und autoritären Vorhaben. 

Konfrontiert mit zahlreichen globalen Krisen, die eigentlich verantwortliches und international koordiniertes Handeln erfordern, wächst indessen eine Kultur des Wegsehens: ein Anti-Universalismus, der sich auf die Interessen und Bedürfnisse der Gleichgesinnten verengt und die Welt außerhalb mehr und mehr verschwinden lässt. Gleichzeitig lässt sich ein geradezu lustvolles Hinschauen beobachten, eine zelebrierte Grausamkeit gegenüber dem Leid all jener, die als die Anderen konstruiert werden – eine Empathielosigkeit, die sich selbst feiert. 

Ist es ausreichend, dieser politischen Absage von Empathie einfach ein „Mehr Empathie wagen“ entgegen zu setzen? Wohl kaum, denn auch die rechten Kräfte verabschieden sich nicht gänzlich von empathischem Empfinden: Sie wollen sie jedoch strategisch kanalisieren und exklusiv für die eigene Zielgruppe beanspruchen – auch um den Opferstatus für sich selbst zu reklamieren. Es klingt paradox, aber selektive Empathie kann ein Freifahrtschein für Empathielosigkeit sein.

Sich den Ambivalenzen der Empathie zu stellen, heißt, sich auch sich selbst zu stellen. 

Wie können wir inmitten um sich greifender sozialer Kälte navigieren und dem solidarischen Miteinander eine praktische Entsprechung geben? Das wird eine der Fragen des diesjährigen Symposiums der Stiftung medico international sein. 

Dabei ist es unser Ziel, nicht nur den rechten Kampf gegen die universelle Empathie offenzulegen, sondern über Empathie hinaus zu gehen – hin zu tragfähigen Gegenstrategien.

Programm

Abendveranstaltung

Donnerstag, 7. Mai 2026

17:30Ankunft + Anmeldung
18:00

Begrüßung

  • Tsafrir Cohen, Geschäftsführer Stiftung medico international
18:30

Eröffnungsvortrag
Syrien als Weltlabor. Affekte als Aushandlungsprozess

  • Yassin al-Haj Saleh, Autor und Journalist, Berlin und Syrien

Moderation: Miryam Schellbach, Literaturkritikerin, Lektorin, Zeitschrift Delfi, Frankfurt

20:00Ende Tag 1

Symposium

Freitag, 8. Mai 2026

09:15Einlass + Anmeldung
10:00

Einführung in den Tag

  • Anne Jung, Sprecherin Stiftung medico international
10:20

Vortrag
Bürgerliche Kälte, Projektion und selektive Empathie in autoritären Zeiten

  • Nadja Meisterhans, Professorin für Politische Philosophie, Karlshochschule International University, Karlsruhe

Moderation: Julia Manek, Referentin für psychosoziale Arbeit, medico international

11:00Aussprache
11:30Pause
11:45

Gespräch
Mitgefühl und Mitleid. Verteidigung einer christlichen Haltung?

  • Michael Ramminger, Theologe, Institut für Theologie und Politik, Münster

Algorithmen, Affekte und der Antichrist: Psychologische Perspektiven auf Macht und Menschlichkeit

  • Holger HorzProfessor für Pädagogische Psychologie, Goethe Universität Frankfurt

Moderation: Jana Flörchinger, AG Autoritäre Verschiebungen, medico international

13:00Mittagessen im medico Haus
14:15

Gespräch
Zuversicht in unzumutbaren Zeiten. Auf der Suche nach dem Verbindenden

  • Gilda SahebiJournalistin, Ärztin & Politikwissenschaftlerin, Berlin

Empathie im Anthropozän. Die Grenze des Spiegels überschreiten

  • Helena Silvestre, Escola Feminista Abya Yala, São Paulo

Moderation: Timo Dorsch, Referent für Südamerika, medico international

15:45

Abschlusskommentar

  • Andrea Kuhn, Kuratorium Stiftung medico international, Leiterin Menschenrechtsfestival Nürnberg
16:00Ende Tag 2

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Kalte Zeit. Zur Ambivalenz der Empathie

Kalte Zeit. Zur Ambivalenz der Empathie

Programm des Symposiums der Stiftung medico international 20262 MB