Fragen & Antworten zum Erwerb des Hauses in der Hochstraße 5 in Frankfurt am Main

27.04.2026   Lesezeit: 3 min

Die Immobilie im Frankfurter Stadtzentrum, die seit 1962 vom traditionsreichen Club Voltaire genutzt wird, geht in das Eigentum der Stiftung medico international über.

Warum hat die Stiftung medico international das Haus in der Hochstraße 5 in Frankfurt gekauft, in dem der Club Voltaire untergebracht ist?

Die Stiftung medico international hat das Haus gekauft, um dem dort beheimateten Club Voltaire auch in Zukunft sichere Räume mitten in der Frankfurter Innenstadt zur Verfügung zu stellen und zugleich mit den Mieteinnahmen, die der Club Voltaire an die Stiftung zahlt, die Partnerorganisationen von medico international e.V. im globalen Süden zu unterstützen.

Der satzungsgemäße Auftrag der Stiftung ist die Förderung der Projekt- und Öffentlichkeitsarbeit der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international e.V.

Mit den Erträgen aus ihrem Vermögen fördert die Stiftung das emanzipatorische Handeln von medico-Partner:innen weltweit. Dazu gehören auch Organisationen, die das Menschenrecht auf bestmögliche Gesundheit gegen die Logik des Marktes verteidigen. Die Unterstützung der Stiftung richtet das Augenmerk auch auf die oft übersehenen psychischen Folgen von Krieg und (patriarchaler) Gewalt, Ausbeutung und Diskriminierung. Die Stiftung steht für den Schutz und die Ausweitung der Rechte von Menschen ein, die auf der Flucht sind und die Krieg, Klimafolgen oder Armut zu entkommen versuchen.

Gemäß ihrer Satzung ist die Stiftung verpflichtet und bestrebt, Erträge zu generieren, die den Hilfsprojekten und der kritischen Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zugutekommen. In der Anlagepolitik ist die Stiftung medico international ethischen Prinzipien verpflichtet. 

Die Möglichkeit, mit dem Hauskauf dem 1962 gegründeten Club Voltaire, der ein Forum für demokratische und aufklärerische Debatten bildet, ein sicheres Zuhause zu geben, und mit diesem Tun dem Satzungsziel nachzukommen, stellt eine rundum vorteilhafte Situation für beide Seiten dar.

Von welcher politischen Idee ist der Hauskauf getragen?

Die von medico international unterstützten Partnerorganisationen in Ländern wie in El Salvador, Chile, Namibia, Polen, Indonesien oder Syrien erleben seit vielen Jahren, dass sie in ihrem Handeln eingeschränkt, unterdrückt, verfolgt und ins Exil gezwungen werden. Die Stiftung medico international ist davon überzeugt, dass eine offene Gesellschaft die Grundlage jeder demokratischen, auf Menschenrechten basierenden Gesellschaft ist. 

Der Angriff auf die offene Gesellschaft findet überall auf der Welt statt – auch in Deutschland, auch in Frankfurt. Wir erleben einen spürbaren Aufschwung repressiver, reaktionärer und autoritärer Strukturen und Denkmuster – auch in der Mitte der Gesellschaft.

Die Aushöhlung rechtsstaatlicher Prinzipien gefährdet die demokratische Verfasstheit der Gesellschaft; die systematische Einhegung von Orten des Austauschs im Kulturbereich lässt immer weniger Räume für eine Streitkultur zu und die Vielfalt der Medienlandschaft nimmt ab. Diese Angriffe der Politik in Zeiten der autoritären Wende resultieren in einem Klima der Angst und Selbstzensur in der Kulturszene. Dagegen sind geschützte Orte des Austauschs von großer Bedeutung. Der Club Voltaire ist einer dieser Orte.

medico international ist Teil der Frankfurter Stadtgesellschaft und möchte als solcher zu ihrem Erhalt beitragen. Auch wenn der Club Voltaire keine Partnerorganisation von medico ist, freuen wir uns sehr, im globalen Frankfurt einen Beitrag zu leisten für die offene Gesellschaft, für die der Club Voltaire seit 1962 steht. Er hat mit seinen internationalistischen Veranstaltungen auch Menschen geprägt, die heute im Vorstand und im Kuratorium der Stiftung medico international sind.

Wird medico Einfluss auf das Programm des Club Voltaire nehmen?

Die Stiftung medico international wird keinen Einfluss nehmen auf die Inhalte des Club Voltaire, die weiterhin allein in dessen Verantwortung liegen. Die Stiftung möchte mit dem Hauskauf einen sicheren Rahmen für kritisches Denken schaffen.
 

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