Schwerpunkte

Alternatives Handeln im globalen Raum

Gerechtigkeit zielt nicht auf eine utopische Ferne, sondern auf Veränderungen, die bereits heute möglich und notwendig sind: die weltweite Beseitigung des Hungers beispielsweise, die Versorgung aller mit sauberem Trinkwasser, die Abkehr von Diskriminierung und Demütigung, die allgemeine Garantie einer Versorgung im Krankheitsfall. Dafür arbeitet die Stiftung - gemeinsam mit Ihnen!

Mit den Erträgen aus den Stiftungseinlagen fördert die Stiftung Projekte und Vorhaben vor allem in drei Schwerpunktbereichen:

I. Förderung einer internationalen Gesundheitsbewegung

Rationale Politik setzt die Existenz einer wachsamen und unabhängigen Öffentlichkeit voraus. Das gilt auch für die Ebene internationaler Politik, wo es noch immer kaum Institutionen gibt, die zu einer Steuerung der globalen Verhältnisse demokratisch legitimiert sind. Unter solchen Umständen kommt einer unabhängigen Öffentlichkeit, die von universellen Werten der Menschenrechte geleitet wird, eine umso größere Bedeutung zu. Noch ist die internationale Öffentlichkeit aber erst im Entstehen begriffen, noch bedarf sie der Förderung. Die stiftung medico international hat sich in diesem Kontext vorgenommen:

  • den Aufbau und die Stärkung einer internationalen Gesundheitsbewegung, die der Idee einer globalen öffentlichen Gesundheitsvorsorge gegen die fatalen Tendenzen der Privatisierung Nachdruck verleihen kann. Beispielhaft dafür steht das Engagement von medico international bei der internationalen Vernetzung lokaler Gesundheitsinitiativen sowie der Unterstützung einer »International People's Health University«;
  • die Förderung eines breit getragenen »Global Health Watch«, der nicht nur die dramatische Lage im globalen Gesundheitswesen detailliert dokumentiert, sondern auch konkrete Empfehlungen gibt, wie auf nationaler und zwischenstaatlicher Ebene substantielle Verbesserungen erzielt werden können;
  • das Bemühen um eine medizinische Forschung, die sich an den dringendsten globalen Gesundheitsbedürfnissen orientiert und statt »Lifestyle«-Medikamenten gegen Haarausfall oder Dickleibigkeit die Entwicklung wirksamer und erschwinglicher Mittel gegen Tuberkulose, Malaria oder bakterielle Infektionen vorantreibt.

II. Entwicklung der psychosozialen Arbeit

Die Zunahme sozialer und kriegerischer Gewalt in den Ländern des Südens hat zu einer allgemeinen psychischen Verelendung geführt, die nicht nur zahllose Individuen, sondern ganze soziale Gruppen traumatisiert. Auch in den reicheren Weltregionen führen höchste Flexibilität und unbegrenzte Verfügbarkeit, die die modernen Dienstleistungsgesellschaften den Menschen abverlangen, zu Verunsicherung, Angst und psychischem Leid. Die rastlose Suche nach »Identität«, die Anfälligkeit für Ressentiments und ein kompensatorischer »Lifestyle«-Konsum sind dafür Ausdruck. Die stiftung medico international sieht ihr Engagement im Kontext

  • der Förderung eines internationalen Netzes von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit dem Ziel, einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen, der zur Entwicklung angepasster Behandlungsstrategien führt;
  • der psychosozialen Betreuung von Kriegs- und Armutsopfern, die von der Erkenntnis geleitet wird, dass in der Behandlung gesellschaftlich bedingter Traumata vor allem das Bemühen um eine »Entprivatisierung des Leidens« Entlastung bietet;
  • der kritischen Auseinandersetzung mit sicherheitspolitischen Strategien, die auf das Schüren von Ängsten und Feindbildern setzen.

III. Stärkung der Rechte von Opfern

Zu den größten Erfolgen von medico international zählt fraglos das 1999 wirksam gewordene völkerrechtlich bindende Verbot von Antipersonenminen, für das medico über zehn Jahre gestritten hatte. Wenn Menschen nicht mehr durch Kriege und Waffen verstümmelt werden, ist das Gesundheitsvorsorge und Friedenspolitik in einem. Zugleich sind aber auch die Rechte derjenigen ernst zu nehmen, die Opfer von Folter, Krieg und den von Menschen verursachten Katastrophen wurden. Sie brauchen prothetische und psychosoziale Versorgung, Wiedereingliederungshilfen, Sozialrenten, wirtschaftliche Kompensationen. Weil das internationale Zivilrecht noch wenig entwickelt ist, können die wenigsten der Opfer Rechtsansprüche auf Hilfen und Entschädigungen geltend machen.

Die stiftung medico international plant die Förderung von

  • Kampagnen, die in internationalen Klageverfahren (beispielsweise von Opfern des südafrikanischen Apartheidregimes) öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen;
  • Initiativen, die sich um die längst überfällige Ausweitung der Grundlagen des internationalen Zivilrechts kümmern.

Die stiftung medico international sieht sich als gesellschaftspolitischen Akteur. In Abstimmung mit dem Verein medico international fördert sie konkrete Projekte, initiiert öffentliche Debatten, veranstaltet Symposien und Treffen des Erfahrungsaustausches.