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    stiftung medico international • Frankfurt/Main  07.02.2012 
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Diwi Dreysse

Menschenwürdiges Wohnen

Der Architekt Diwi Dreysse über Bauen und Gesundheit
 

Bei meinem ersten Aufenthalt in Nicaragua 1987 lernte ich die Arbeit und die handelnden Personen von medico international kennen. Ich plante damals das »Haus der Drei Welten« in Granada, ein Projekt von Ernesto Cardenal und Dietmar Schönherr, das sich inzwischen zu einer
der bedeutendsten Kultureinrichtungen Mittelamerikas entwickelt hat. medico konnte mir wichtige Informationen über umweltgerechtes und klimatisch-gesundes Bauen vermitteln. Denn medico war schon einige Jahre in Nicaragua engagiert und baute nicht nur Gesundheitsposten und -zentren, sondern am Rio San Juan auch einen den tropischen Umweltbedingungen angepassten Krankenhauskomplex. Zur Verantwortung von medico zählte die Organisation des gesamten Bauprozesses von der lokalen Baustoffgewinnung über die Baulogistik der einzelnen Gewerke bis hin zur Ausbildung und Selbstorganisation von Handwerkern. Aus jeder Baustelle wurde so eine Lehrbaustelle, die den Grundstein für ein selbstständiges Wirtschaften bildete.

medico leistet nicht nur medizinische Hilfe, wenn Notsituationen entstanden sind oder wenn es gilt, ein Versorgungsnetz aufzubauen. medico bekämpft vor allem die vermeidbaren Ursachen von Armut und Krankheit. Gesündere und auskömmliche Lebensgrundlagen können Krankheiten verhindern oder zumindest verringern. Deswegen regte medico schon damals die Konzeption von neuen Häusern und Siedlungen an. Einfache, feste und selbstgebaute Häuser mit mehreren Zimmern, Kochstelle, Wasseranschluss, Latrine und Nutzgarten wurden als der unterste soziale und hygienische Standard definiert.

Als dann 1998 der Hurrikan Mitch große Teile Nicaraguas verwüstet hatte, beteiligte sich medico mit genau diesem Standard am Aufbau neuer Dörfer. In der Nähe von Leon entstand das Dorf EI Tanque, das heute 250 Familien eine neue sichere Lebensgrundlage bietet. Weil mit dem Bau von menschenwürdigen Wohnverhältnissen auch das Fundament für gesündere Lebensbedingungen gelegt wird, muss sich eine wirkungsvolle Gesundheitsförderung auch mit Stadtplanung und Architektur beschäftigen.

Von der stiftung medico international erwarte ich mir, dass die Verbindung von Bauen und Gesundheit, so wie sie Alexander Mitscherlich in seiner Kritik über die »Unwirtlichkeit der Städte« gefordert hat, gefördert wird und überall, so auch in Ländern wie Nicaragua, Beachtung findet.

 


Foto: Architekten ABS

 

 

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