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    stiftung medico international • Frankfurt/Main  04.09.2010 
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Mathis Bromberger

Selbstheilungskräfte stärken

Der Arzt Mathis Bromberger über die
medizinische Wirkung der Partizipation
 

Seit über 30 Jahren verfolge ich die Arbeit von medico international. 1971 fuhr ich mit einem kleinen medico-Team nach Bangladesh, um Flüchtlingen aus dem Unabhängigkeitskrieg mit ärztlicher Hilfe zur Seite zu stehen. Unser Einsatz war absolut notwendig. In den Lagern, die der Monsun-Regen in reine Seenlandschaften verwandelt hatte, grassierte die Cholera.

Wir konnten vielen Menschen helfen und deren Leiden lindern. Doch als wir wieder weggingen, ließen wir die Menschen in ihrem Elend zurück. Um Krisen dauerhaft zu überwinden, reicht es nicht, nur ihre humanitären Auswirkungen zu behandeln. Auch für die medizinische Entwicklungshilfe gilt, was für die hiesige Medizin entscheidend ist. Ohne die aktive Beteiligung der Patienten, ohne die Partizipation der Betroffenen, ist Heilung kaum möglich. Vielmehr kann eine Hilfe, die sozusagen von außen einfällt, am Ende sogar noch die Selbstheilungskräfte der Leute beeinträchtigen.

Weil wir, die »weißen Doktoren«, nicht überall in der Welt helfen können, wo Not und Krankheit herrscht, habe ich den Entschluss von medico stets begrüßt, statt weiter Ärzte und Krankenpfleger zu entsenden, künftig verstärkt vor Ort Gesundheitsarbeiter auszubilden und parallel auf politischer Ebene gegen die krankmachenden Lebensumstände anzukämpfen. Gesundheit ist eine politische Angelegenheit. Zwar ist die Förderung lokaler Partner meist weniger spektakulär als die Entsendung von Ärzten in Krisengebiete, doch kann medico – vermittelt über seine Partner – heute selbst noch in Ländern tätig sein, aus denen sich andere Helfer aufgrund von Unsicherheit zurückziehen müssen.

Die Zeiten seit 1971 haben sich sehr verändert. Angesichts der Zunahme von Kriegen und Gewalt muss sich auch die ärztliche Hilfe ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden. Auch wenn Ärzte weiterhin als Ärzte tätig sein werden, bleibt ihnen doch nichts anderes übrig, als sich einzumischen und gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in aller Welt für jene Lebensbedingungen zu streiten, die Gesundheit ermöglichen. Und zum Glück müssen heute auch die Helfer nicht mehr allein sein, sondern können sich wie medico international dem People's Health Movement anschließen, einem internationalen Netzwerk von Ärztinnen und Ärzten, Krankenpflegepersonal, Pharmazeuten, Sozialarbeitern etc., das in Südostasien seinen Ursprung hat und für das Recht auf Gesundheit aller Menschen eintritt.

Von einer stiftung medico international verspreche ich mir, dass die Förderung lokaler Partner und die weltweite Vernetzung von Gesundheitsarbeitern künftig noch mehr Nachdruck erfährt.

 

 

 

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