Guatemala:
Integrale Wiedergutmachung in der Region Ixil
Im guatemaltekischen Verband Asociación Campesina para el Desarrollo
Integral Nebajense (ASOCDENEB) haben sich indigene Gemeinden und lokale
Selbsthilfeorganisationen in der Region Ixil organisiert, die in den 1980er
Jahren besonders unter der staatlichen Repression gelitten haben.
Treffen in einer indigenen Gemeinde Foto: medico
Den
Rahmen ihrer Arbeit bildet das von der guatemaltekischen Regierung
aufgelegte Entschädigungsprogramm, das den Versuch einer Wiedergutmachung
des Unrechts und der Verbrechen des Krieges darstellt. Da das 2005
verabschiedete Programm auf individuelle materielle Entschädigungen
beschränkt blieb, obwohl in den Friedensverträgen eine integrale, auch deren
kulturelle, gemeinschaftliche und psychosoziale Dimension einschließende
Wiedergutmachung festgeschrieben wurde, kam es in einigen dieser Gemeinden
zu Konflikten, die in einzelnen Fällen bis zu ihrer Spaltung führte. Auch
deshalb entschloss sich die Ende 2007 gebildete neue Regierung Guatemalas
zur Neubesetzung der Wiedergutmachungskommission. Um die notwendigen
Grundlagen einer solchen integralen Wiedergutmachung zu schaffen, arbeiten
die Gemeinden jetzt in sehr langwierigen und oft schmerzhaften Prozessen
ihre kollektive Geschichte während der Zeit des Krieges auf. Neben der
Möglichkeit zur öffentlichen Darstellung dieser Geschichte fordern die
Gemeinden konkrete Infrastrukturinvestitionen für Häuser und Straßen,
Bildungsprogramme und die Errichtung von Gedenkstätten sowie eine offizielle
öffentliche Entschuldigung der Verantwortlichen.
Trotz der unumgänglichen Konflikte ist so vielerorts eine positive
Dynamik freigesetzt worden, in der auch die Geschichte der Gewalt in den
Dörfern und zwischen den Gemeindemitgliedern zur Sprache kommt. In diesem
Rahmen fördert die medico-Stiftung Fortbildungsmaßnahmen, Versammlungen von
Betroffenen und anteilig das kleine Büro von ASOCDENEB. Fördersumme:
9.150 Euro
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